Eröffnungsrede zur Ausstellung "Angekommen" von Sandra Hartl M. A. (16.09.2011)



Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Familien Lack und Landherr

Ich freue mich sehr, die Ausstellung „Eduard Lack – Lehrer, Chronist und Musiker“ aus der Themenreihe „Angekommen – Geschichte und Geschichten von Heimatvertriebenen unserer Region“ am heutigen Abend mit eröffnen zu dürfen.

Wie entstand das Ausstellungskonzept?

Ziel des Projektes „Angekommen – Geschichte und Geschichten von Heimatvertriebenen unserer Region“ ist es, wie bereits von Frau Zimmermann-Wejda erwähnt, durch Gespräche und Aufzeichnungen von Heimatvertriebenen in und um Thannhausen den Spuren der Vertreibung nachzugehen, sich aber auch aus politischer, historischer und völkerrechtlicher Sicht mit dem Thema zu befassen und so aufzubereiten, dass jegliche Ausstellung unter dem Oberbegriff „Angekommen“ nicht nur als Wissensvermittler dient, sondern auch als Diskussionsgrundlage für die nächsten Generationen.

Das Wissen um die sudetendeutsche Geschichte soll künftig mit den direkt betroffenen Generationen nicht aussterben, sondern auch Schülern und Jugendlichen näher gebracht werden, denn dies gehört schließlich zur gesamtdeutschen Geschichte. Wir wollen mit der Ausstellung zum Nachdenken anregen, aber auch Begegnungen stiften und im Geiste der europäischen Kooperation zusammenführen.

In unserer heutigen Zeit gibt es zahlreiche Ausstellungen, die sich mit diversen Themen beschäftigen.

Was macht nun gerade diese Ausstellung und damit auch den heutigen Tag zu einem besonderen?

Mit der Auftaktausstellung „Eduard Lack – Lehrer, Chronist und Musiker“ soll ein Bogen geschlagen werden zwischen dem reinen Faktenwissen über die Vertreibung, die Zeit der Ankunft und den persönlichen Erfahrungsberichten. Durch private, persönliche Einblicke in die Geschichte der heimatvertriebenen Menschen direkt aus unserer Mitte ist eine Identifikation mit den Einzelschicksalen einfacher, das Thema Vertreibung wird sensibler aufgenommen und verarbeitet, erlebbarer und gerät somit auch weniger in Vergessenheit.

Der heimatkundliche Arbeitskreis der Schwabengilde hatte das Glück, hier in der Galerie im „Roten Haus“ nicht nur ideale Räume vorzufinden, sondern auch eine Vielzahl an materiellen Hinterlassenschaften und schriftlichen Aufzeichnungen von Herrn Eduard Lack. Aufgrund dieser Fülle an Originalen aus der Zeit vor und nach der Vertreibung fiel es leicht, das definierte Ausstellungskonzept so umzusetzen, dass die Zeit der Vertreibung auch für jeden Besucher aktiv mit-erlebbar wird.

Die Ausstellung, die wir heute eröffnen ist in zwei Räume unterteilt.

Der erste Raum widmet sich der Zeit bis zur Vertreibung aus der Heimat. Er ist bewusst schlicht und einfach gehalten. Die Zeit der bevorstehenden Vertreibung, die schlimmen Kriegsjahre sind keine Zeit, in der man verschwenderisch in Saus und Braus lebte.

Warum lebten viele Deutsche in Böhmen, Mähren und Südschlesien? Warum wurden sie von dort vertrieben? Wie viele überlebten diese Zeit nicht?
Zahlreiche Informationstafeln des Sudentedeutschen Rates aus München helfen Ihnen, Antworten zu diesen und weiteren Fragen zu finden.

Wofür würden Sie sich heute entscheiden, wenn Sie nur 50kg Ihres gesamten Hausrates und Ihrer persönlichen Dinge bei einer Vertreibung mit nehmen dürften?
Wahrscheinlich würde sich Ihr Gepäck heute stark unterscheiden von dem der Heimatvertriebenen Sudetendeutschen.
Würden Sie heute noch ein Kochbuch, ihren Haustürschlüssel, Gläser, mehrere Kruzifixe, ein Nudelholz, eine Kleiderbürste, Werkzeug oder ein Bügeleisen auf dem beschwerlichen Weg mit in die Ihnen noch unbekannte neue Heimat nehmen?

Im ersten Raum finden Sie eine Vielzahl an persönlichen Utensilien und Alltagsmaterialien aus der Zeit vor der Vertreibung, die von den Familien Lack und Krannich aus der Heimat Brattersdorf mit nach Münsterhausen gebracht wurden. Darunter auch Briefe, Dokumente, Arbeitsmaterialien, Heimaterde sowie einen Stein aus der Heimat.
Einfallsreichtum war gefragt um Wertgegenstände heimlich mitnehmen zu können. Schmuckgegenstände und Dokumente wurden – heimlich von der Familie Lack im Schuhabsatz, in der Kleiderbürste, im Wollknäuel oder im Nudelholz versteckt – auf dem Weg in das Unbekannte mitgeschmuggelt.

Die Zeit der Vertreibung selbst stellt für jeden ein einschneidendes, dunkles, schrecklich bedrückendes Ereignis dar, dessen Ausgang oftmals noch unbekannt ist. Ist unserer Jugend heute überhaupt noch bewusst, mit welchen Sorgen, Problemen, mit welchem Leid und welch großen Ängsten diese Menschen damals zu kämpfen hatten? Wir hoffen, es ist uns gelungen, mit einfachen Mitteln dieses beklemmende Gefühl und die Furcht vor dem Ungewissen wiederzugeben.

Der anschließende zweite Raum steht symbolisch für den Neuanfang. Wie ist die Situation der Vertriebenen nach der Ankunft in der neuen Heimat? Wie stehen die Tschechen z.B. heute zur Thematik der Vertreibung? Wie wurden die Vertriebenen entschädigt? Auch hier finden Sie Originale aus der Zeit des Neuanfangs der Familie Lack in Münsterhausen, wie die ersten Möbelstücke, die ersten Vorhänge oder auch den ersten Weihnachtsschmuck.

Nicht zu vergessen – Herr Lack ist vielen von Ihnen heute vielmehr als Münsterhauser Lehrer und Chronist bekannt.
Auch diesen beiden Themen widmet sich der zweite Raum. Blättern Sie staunend durch Schülerstatistiken und Zeitungsaufzeichnungen, vielleicht finden Sie über sich selbst etwas geschrieben!

Ich würde mich freuen, wenn Sie Ihre Eindrücke im ausliegenden Gästebuch festhalten würden und danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Quelle: Sandra Hartl M. A.